Warum Krafttraining für Frauen so wichtig ist und warum die Angst vor Muskeln überholt ist
- Lisa-Marie Linn

- 11. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wenn ich erzähle, dass ich Krafttraining mache, reagieren viele Menschen immer noch überrascht. Noch größer wird die Verwunderung, wenn ich sage, dass ich im Personal Training mit Frauen echten Kraftsport mache – Kniebeugen, Kreuzheben, Liegestütze. Kein „bisschen Bauch-Beine-Po“, sondern richtiges Training. Und sobald ich erwähne, dass ich Weltmeisterin im Natural Bodybuilding bin, kommen fast automatisch Sprüche wie: „Pass auf, dass du nicht zu männlich wirst.“ oder „Krafttraining? Ist das nicht ungesund?“
Es ist faszinierend: Die Fitnesswelt entwickelt sich weiter, Frauen trainieren heute stärker und bewusster denn je, aber viele Vorurteile halten sich hartnäckig.
Krafttraining ist kein Männerding. Es ist Gesundheit, Stärke & Selbstbewusstsein
In meinem Personal Training arbeiten Frauen zwischen 25 und 75 Jahren mit freien Gewichten. Und sie sind begeistert, wenn sie merken, wie stark sie wirklich sind. Denn Krafttraining bedeutet:
gesunder, definierter Körper
bessere Haltung und weniger Schmerzen
stärkerer Stoffwechsel
mehr Selbstvertrauen
Trotzdem sehe ich in vielen öffentlichen Fitnessstudios kaum Frauen im Langhantelbereich. Die Angst vor „zu vielen Muskeln“ sitzt tief, obwohl sie wissenschaftlich völlig unbegründet ist.
Warum der Mythos „Ich werde zu breit“ nicht stimmt
Viele Frauen glauben, schon ein bisschen Krafttraining würde sie massiv muskulös machen. Dabei ist das biologisch gar nicht möglich. Frauen haben nur 5–10 % so viel Testosteron wie Männer, der wichtigste Faktor für Muskelaufbau. Ohne jahrelanges, hartes, gezieltes Training (und oft Hormoneinsatz) entsteht kein „Bodybuilder-Look“.
Ich trainiere seit über 13 Jahren, davon 8 Jahre im Wettkampfsport, und werde nicht „breiter“. Stattdessen verbessere ich gezielt Form, Linie und Definition. Genau so sieht es auch bei meinen Kundinnen aus.
Viele kommen mit der Sorge: „Ich will keinen riesigen Hintern wie auf Instagram.“
Ein paar Monate später lachen sie, weil sie merken, wie viel Training überhaupt nötig wäre, damit etwas sichtbar wächst – und legen dann doch den Fokus auf Aufbau, weil es ihnen gefällt, was möglich ist.
Wie oft du trainieren musst, damit sich wirklich etwas verändert
Hier die Wahrheit, die niemand hören möchte, aber die dich entspannen wird:
1–2x pro Woche → Erhalt & leichte Definition
3–4x pro Woche → realer Muskelaufbau
72–96 Stunden braucht ein Muskel für einen neuen Wachstumsreiz
Das bedeutet: Du wirst nicht „plötzlich“ muskulös. Es braucht Zeit, Geduld und ein gezieltes Krafttraining.
Sichtbare Muskeln? Das entscheidet vor allem der Körperfettanteil
Viele Frauen unterschätzen, wie sehr der Look vom Körperfettanteil abhängt.
Niedriger Körperfettanteil → sichtbar definierter
Etwas höherer Körperfettanteil → gleiche Muskulatur, nur weicher
Frauen, die in Werbung oder Social Media unterschiedlich aussehen, haben oft dieselbe Muskelbasis, aber einen anderen Fettwert. Das heißt: Trainierte Frauen sehen nicht automatisch muskulös aus.
Woher die Angst vor Muskeln wirklich kommt
Viele Vorurteile stammen aus Bodybuilding-Bildern von Frauen der Klassen Figure, Physique oder professionellem Bodybuilding.
Dort wird:
5–6x pro Woche hart trainiert
gezielt einzelne Muskeln mehrfach pro Woche beansprucht
häufig hormonell nachgeholfen (Testosteron & andere Substanzen)
Genau diese Substanzen verändern nicht nur die Muskulatur, sondern auch:
Gesichtszüge
Stimme
Körperbau
Das ist nicht das Ergebnis von normalem Krafttraining. Das ist Hochleistungssport unter Extrembedingungen – nicht das, was du im Alltag siehst oder jemals zufällig erreichen würdest.
Krafttraining macht dich nicht „männlich“. Es macht dich stark und das ist weiblich.
Zeit, ein neues Bild zu verankern:
Eine Frau, die Krafttraining macht, wirkt selbstbewusster.
Sie bewegt sich schmerzfreier, stabiler und energiegeladener.
Sie formt ihren Körper – ohne ihn zu „verändern“, sondern indem sie ihn stärkt.
Das Entscheidende ist nicht, ob du Krafttraining machst, sondern wie du es für dich nutzt.
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